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Tischtennis Nächste Saison debütiert U-15-Schweizer-Meister Lukas Ott im NLB-Team aus Wädenswil. Bisher hat er in jeder Saison öfter gewonnen als verloren. Gelingt ihm das auch in der ersten Mannschaft des Vereins?

Lukas OttLukas Ott wird selbstbewusst. «Ich bin jetzt weniger ein Angsthase und greife mehr an», erzählt der 14-Jährige von den Umstellungen in seinem Spiel. Er hat einen neuen Aufschlag einstudiert. «Ich werfe den Ball ganz hoch auf, das irritiert viele Gegner.» Früher habe er oft geschupft und gewartet, bis die anderen den Fehler begingen. Nun greift er an. «Das geht mit dem neuen Aufschlag viel besser.» Denn die Gegner retournieren den neuen Service mehrheitlich lang.

Der junge Wädenswiler macht sich parat für den nächsten Leistungssprung. Er ist sich das Siegen gewohnt. Ende März gewann er an der Schweizer Nachwuchs-Meisterschaft den Titel. Das ist ihm, der seit 2014 teilnimmt, alle zwei Jahre geglückt. Am zweitwichtigsten Turnier der Junioren, dem Top 8, unterlag er aber im Final. «Ich bin gescheitert», kommentiert er das. Gescheitert? «Rang zwei ist nicht gut, aber wenn ich im älteren Jahrgang war, habe ich immer beide Turniere gewonnen.»

Mehr als die Hälfte siegreich
Auch in der Nationalliga C waren die Ergebnisse mehrheitlich positiv. Lukas Ott gewann 25 seiner 33 Einzel und verbesserte seine Klassierung von A16 auf A17. Nun rückt der U-15-Junior in die erste Mannschaft der Linksufrigen auf. Natürlich könne man bei seiner Bilanz sagen, er sei zu Recht ein NLB-Spieler. «Ich gehöre in die Nationalliga B. Aber ich denke, ich kann dort nicht mehr so viel gewinnen wie in der Nationalliga C. Es ist ein grosser Gump.»

Dennoch sagt Lukas Ott, er wolle «so ungefähr 50 Prozent gewinnen oder sogar eine positive Bilanz haben». Er würde damit eine tolle Serie fortsetzen. Vor fünf Jahren spielte er erstmals für Wädenswil. Und gewann in der 4. Liga mehr als die Hälfte seiner Einzel. Das war auch in jeder folgenden Saison so - und stets eine Liga höher. «Ich werde aber sicher nervös sein», blickt Lukas Ott auf seinen ersten NLB-Einsatz voraus. Mit Numa Ulrich (13) wird gleich noch ein zweiter Junior debütieren.

Dass das Team absteigt, glaubt Lukas Ott trotzdem nicht. «Wir haben ja Norbert und werden wahrscheinlich nie 2:8 verlieren.» Mit drei Siegen des Routiniers Norbert Tofalvi würde der TTCW immer einen Punkt gewinnen. Dass er selbst und Numa Ulrich für die Nationalspieler Lars Posch und Filip Karin aufrücken, die neu für andere Vereine antreten, beschäftigt ihn ebenfalls wenig. «Ich denke nicht so. Wir werden uns weiterentwickeln. Wir sind noch nicht so gut wie sie, aber es kommt die Zeit, in der auch wir in der Nationalliga A spielen werden.»

Und noch eine Premiere
Erst einmal nimmt Lukas Ott ab Sonntag an der Jugend-EM in Ostrava teil. Auch das ist eine Premiere. Für ihn sei es der wichtigste Anlass der Saison, erklärt der Junioren-Nationalspieler: Er treffe auf neue Gegner, und das Niveau sei höher als an Turnieren in der Schweiz. International spielen mache darum mehr Spass. «Ich war schon an vielen Orten. Aber eigentlich sieht man nur das Hotel und die Halle. Und in Metz das Fussballstadion», schmunzelt er. Das störe ihn aber nicht, «ich bin ja wegen dem Tischtennis dort».

An der Jugend-EM werde er Vollgas geben, verspricht Lukas Ott. «Mir ist aber auch wichtig, dass ich Spass habe und ein paar Matches bestreiten kann.» Wahrscheinlich würden es mehr Einsätze mit dem Team, da das Einzel im K.-o.-Modus ausgetragen werde, ahnt Lukas Ott. «Es wäre schön, ein bis zwei Runden weiterzukommen. Aber dazu braucht es auch Losglück.» Und steht einmal kein Tischtennis an, spielt Lukas Ott mit Kollegen Basketball. Oder Fussball. «Alles ausser Tischtennis.»

Lieber Lehre als Sportgymnasium
Lukas Ott fand über einen Umweg zum Tischtennis. Und nicht ganz freiwillig. «Ich war zuerst im Schach», erzählt er. Linda, die Schwester, bevorzugte Tischtennis - und dieses Training dauerte eine Stunde länger. Da der Fünfährige nicht allein zu Hause bleiben durfte, musste er auch zum Tischtennis. Das habe ihm dann doch gefallen, erinnert er sich. «Jeder Gegner hat seine Stärken und Schwächen. So wie die Schachfiguren. Wenn man sie falsch anwendet, hat man keine Chance», sieht Lukas Ott Parallelen. Er sehe schnell, was der Gegner mache, meint er, das sei eine seiner Stärken.

In seiner Altersklasse gehört der Wädenswiler inzwischen zu den Besten der Schweiz. Der Besuch des Sportgymnasiums war für ihn trotzdem kein Thema. «Weil ich wusste, dass ich eine Lehre machen will», wie der 14-Jährige erklärt. Der Sekundarschüler hat schon als Sportartikelverkäufer und im Büro einer Bauunternehmung geschnuppert. Heute Freitag absolviert er den Multicheck und bewirbt sich dann für eine Lehrstelle bei einer Bank, die er im Sommer 2020 antreten möchte. «Ich weiss, dass ich während der Lehre das Training vielleicht reduzieren muss. Aber ich will es so.» (Bild und Text Stefan Kleiser)